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Erinnerungen an Benfica werden wach

Besiktas ist nicht Benfica. Dennoch erinnerte beim schwer erkämpften 27:25 des TBV Lemgo über den türkischen Handballmeister aus Istanbul vieles an das peinliche 27:30 vor einem Jahr gegen Lissabon. "Trotz des kleinen Vorsprungs: Es wird deutlich schwerer als gegen die Portugiesen. Besiktas spielt sehr hart und diszipliniert", bereitet sich beim EHF-Cup-Titelverteidiger nicht nur Florian Kehrmann auf einen harten Kampf im Rückspiel vor.

Beim türkischen Meister, der zwei Jahre in Folge knapp in der Champions-League-Qualifikation gescheitert ist, zählten internationale Legionäre zu den auffälligsten Erscheinungen im ausgebufften Kader (Durchschnittsalter 31.5 Jahre). Mittelmann Viktor Ladyko etwa semmelte dem TBV zum 8:6 einen in der Bundesliga kaum noch zu sehenden Knickfallwurf in die Maschen. Auch sein kahlköpfiger ukrainischer Landsmann Oleksandr Kosyak, der schon in Kiew, Yuzhny, Warschau, Donetsk und Tel Aviv spielte, ärgerte den TBV mit sieben Treffern. Und das Linkshänder Ramazan Döne (5/1) sein Handwerk versteht, wussten die Lemgoer bereits seit 2002.


TBV-Angriff von der Rolle

Unverständlich war jedoch, dass der Titelverteidiger nicht konsequenter den Weg über die Schnelle Mitte suchte, wo die Türken in der Abwehr stets drei Innenblocker einwechselten. Kaum vorstellbar, was geschehen wäre, wenn Lichtlein in der ersten Hälfte nicht noch acht starke Paraden gezeigt hätte. Allein in den ersten 30 Minuten verschleuderten die TBV-Angreifer 17 Würfe. Frei von jeglicher Kritik war lediglich Christoph Theuerkauf, der beim 17:20 (46.) binnen zwei Minuten mit einer wahren Siebenmeter-Salve zum 20:20 für das Hallo-Wach-Signal sorgte und insgesamt 11/7 Treffer verbuchte. Darunter war auch ein Geniestreich zum 12:11-Pausenstand, als sich Theuerkauf geistesgegenwärtig einen Abpraller angelte und den Ball aus dem äußersten linken Winkel ins Tor drehte. "Den Wurf habe ich mir von Jens Bechtloff abgeguckt. Ich bin froh, dass ich mir dabei nichts gebrochen habe", lachte Theuerkauf, der das Ergebnis "natürlich nicht befriedigend" fand, dem Spiel gleichwohl aber auch einige positive Aspekte abgewann. "Wir haben gezeigt, dass wir auch bei einem Drei-Tore-Rückstand die Arschbacken zusammenkneifen können. Und neben Carsten Lichtlein hat auch Martin Galia trotz eines Faserrisses vier, fünf starke Paraden gezeigt. Das beweist, dass es bei uns keine Egoismen gibt und wir als Kollektiv funktionieren."