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Flensburger erleiden kollektiven Kollaps

Die SG Flensburg-Handewitt hat sich selbst um alle Chancen auf das Erreichen der EHF-Cup-Endspiele gebracht. 21:24 (12:12) verlor der Bundesligist beim Außenseiter Kadetten Schaffhausen, nachdem das Halbfinal-Heimspiel eine Woche zuvor nur mit 31:30 gewonnen worden war.

SG-Trainer Per Carlén war restlos bedient. "Glückwunsch an die Kadetten - zu meiner Mannschaft habe ich keinen Kommentar", war seine erste Reaktion.

Alles war bereitet für den Einzug der SG in ihr achtes europäisches Finale. 18:13 führte sie nach 43 Minuten. Routiniert und unbeeindruckt von der lärmenden Kulisse in der engen Halle hatte die SG ihr Programm abgespult. Es war nicht "Weltklasse", wie Alexander Petersson später behauptete, aber doch solides Bundesliga-Niveau. Etwas genauer traf die Erinnerung des Linkshänders das, was sich dann bis zum bitteren Ende der Partie ereignete. "Da haben wir gespielt wie eine A-Jugend", klagte Petersson.

Die Flensburger warfen den Kadetten-Keeper Björgvin Gustavsson zum Helden. Erst nahm er ihnen die haltbaren Würfe ab, dann die "Unmöglichen". Was Mogensen, Christiansen, Fahl gren, Oscar Carlén oder gar Eggert per Siebenmeter auch versuchten - der Isländer stand im Weg. Unter dem Eindruck des Versagens im Angriff zerbröselte zum Schluss auch noch die zuvor glänzende Flensburger Deckung.

Lars Christiansen, für den die Wahl zum "Spieler des Tages" neben Gustavsson wie ein vergiftetes Geschenk wirkte, trauerte der Chance auf ein ruhmreiches Ende seiner 14 SG-Jahre nach: "Ich hatte auf das Finalle gehofft. Wir haben alles im Griff, dann schmeißen wir alles weg. Das kann man nicht verstehen."

Alles, was der SG über die Zeit hätte helfen können, war nicht mehr da. Leitfiguren wie die Langzeitverletzten Michael Knudsen oder Johnny Jensen hätten es vielleicht richten können. Oder ein Lasse Boesen in der Form des Celje-Rückspiels. Aber der dänische Halblinke schied schon nach 23 Minuten mit einer Muskelzerrung aus. Der Isländer Alexander Petersson war explosiv wie Eyjafjallajökull, oft aber überdreht und am Ende war alles Asche. Spielmacher Patrik Fahl gren missachtete den Auftrag, den SG-Angriff breiter und geduldiger anzulegen. Die Youngster Jacob Heinl und Oscar Carlen, die Flensburg in dieser Saison lange getragen haben, durchlaufen ein Tief. "Kein Tor von Oscar, eine Katastrophe", meinte Vater Carlén. Gnade fand nur sein Torhüter: "Außer Dan Beutler hat kein Spieler gezeigt, was er kann." Der Keeper beeindruckte mit intensiver Körpersprache und 16 Paraden (darunter ein Siebenmeter). Beutler war nichts vorzuwerfen, die Verantwortung für das Ausscheiden trägt er wegen der miserablen Leistung vom Hinspiel dennoch mit.

Der Rückfall in eine überwunden geglaubte Schwäche - den Kollaps des Kollektivs - trübt eine Saison, in der Per Carlen und Ljubomir Vranjes fast das Maximum aus limitierten Möglichkeiten herausgeholt haben. Nun wirft das Scheitern ein Schlaglicht auf Probleme, die eine Topmannschaft nicht haben sollte. Torhüter, Spielmacher und Halblinke leisten punktuell Herausragendes, sind aber nicht verlässlich, wenn es hart auf hart kommt.

Der direkte finanzielle Schaden ist überschaubar, meinte SG-Manager Holger Kaiser. Ein Finale im EHF-Cup hätte keine Reichtümer in die Kassen gespült. Dem Image und der Sponsoren-Akquise wäre der erste Titel nach fünf Jahren Durststrecke jedoch dienlich gewesen.