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Hohes Risiko, große Freude

Gänsehautatmosphäre in der Lipperlandhalle. "Wir haben gefühlt, dass wir gar nicht verlieren können", bereitete Ferenc Ilyes den Fans nach dem 34:26 des TBV Lemgo über La Rioja ein schönes Kompliment. "Die Zuschauer haben uns gepusht. Durch acht Gegenstoßtreffer haben wir viel Selbstvertrauen gewonnen und einen regelrechten Flow erreicht", frohlockte TBV-Trainer Mudrow. Unbeeindruckt von zwei frühen Zeitstrafen gegen Preiß (17.) gelangen dem TBV drei Unterzahltreffer. Sensationell das 9:5 durch Daniel Kubes, der sich den Ball in der eigenen Abwehr angelte und wie eine Dampfwalze auf den slowenischen Nationalkeeper Lorger zurollte. Der TBV kämpfte mit offenem Visier und ging mit einem doppelten Spezialistenwechsel (Kubes und Ilyes in der Abwehr für Strobel und Kraus) bewusst hohes Risiko. Viel Druck besorgten die zwei erfahrenen TBV-Toreros Glandorf und Kehrmann.

Unbehelligt vom Publikum blieb dagegen eine weitere wichtige Aktion auf dem Weg ins Europapokalfinale. Weil sich das Anlegen einer Brustmanschette als untaugliches Mittel erwies - beim Training konnte Michael Kraus so keinen Ball fangen - setzte Mannschaftsarzt Volker Broy auf Betäubungsmittel. "Die kleinen Einrisse an den Rippen sieben, acht und neun verursachen höllische Schmerzen und sind mit der Spritze nicht so einfach zu treffen", erklärte der Mediziner. Ein weiteres Problem: Im Gegensatz zur HBL muss im EHF-Pokal die Aufstellung schon eine Stunde vor dem Anpfiff stehen. Weil die Dosis des Schmerzmittels aber nur 60 Minuten hält, bekam Kraus zur Pause in der Kabine noch einen dritten Pieks. "Erst in den letzten fünf Minuten, als das Adrenalin entwich, tats tierisch weh", begründete Matador Kraus später seine Zurückhaltung beim Jubeln. Umso mehr freute sich Martin Strobel, der mit einem Urschrei die Kabine aufsuchte. "Wir haben heute bewiesen, dass wir keine ganz so schlechte Mannschaft sind", war für den Spielmacher der Zwischenspurt nach der Pause auf 28:17 entscheidend. TBV Lemgo