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Lemgos beste Saisonleistung

TBV nimmt Revanche für die verpasste Champions League-Qualifikation

Auf den Rängen des Palacio de los Deportes de Leon tobt die Volksseele. Als wenn die Rote Karte gegen Angel Montoro (54.) nicht schon Strafe genug wäre, mimt Ferenc Ilyes in den letzten Sekunden auch noch den Torero. Seine sensationelle Bogenlampe von der Mittellinie zum 31:27-Endstand trifft die stolzen Spanier wie der Degen den Stier. Ungerührt feiert Lemgo im Viertelfinalhinspiel des EHF-Pokals eine rauschende Fiesta mit historischem Ausgang. Im 118. Europacup-Spiel glückte dem Titelverteidiger nach 16 Jahren erstmals ein Sieg auf der iberischen Halbinsel. "Wir waren unheimlich effektiv. In der ersten Hälfte haben wir für 15 Tore nur 23 Angriff benötigt. Das ist sehr, sehr gut", freute sich Geschäftsführer Volker Zerbe.

Doch so deutlich, wie es der Vier-Tore-Vorsprung am Ende auszudrücken scheint, war es nicht. Nach kurzer Abtastphase drückte der TBV dem Spiel zwar seinen Stempel auf, schlidderte beim 21:18 (43.) aber urplötzlich in eine kritische Situation. Als Schneider in der 43. Minute die erste Zeitstrafe des Spiels kassierte, gingen die Spanier sofort zur Manndeckung über. Obwohl Lemgo durch Smoler und Liniger zwei Treffer in Unterzahl erzielte, bekam Leon nun Oberwasser und holte sich mit 24:23 und 25:24 (52.) die Führung zurück.

Preiß glich nach traumhaften No-Look-Pass von Strobel aus, als die Spanier ruppig wurden. Binnen weniger Sekunden mussten Andreu und Costa fast zeitgleich auf die Strafbank. Als der baumlange Montoro Glandorf hart am Kopf erwischte, zückten die couragierten Unparteiischen sofort die Rote Karte. Die 4.500 Zuschauer tobten, wedelten wütend mit ihren weißen Taschentüchern und belegten eindrucksvoll, weshalb der Palacio de los Deportes von der Akustik her zu den lautesten Hallen Europas zählt. In dieser aufgehitzten Atmosphäre blieb Christoph Theuerkauf kalt wie eine Hundeschnauze und verwandelte drei Strafwürfe in Folge. Beim 29:25 hatte der TBV die Partie binnen fünf Minuten endgültig gedreht. Martin Galia war mit 18 Paraden Lemgos großer Rückhalt. Auch die zuletzt stark gescholtene Abwehr war flink auf den Beinen. Strobel führte gekonnt Regie. Zudem sorgten die Außen Liniger, Smoler und Kehrmann für enormen Druck, weshalb sich der TBV eindrucksvoll für das schmähliche Aus in der Champions-League-Qualifikation 2009 an gleicher Stelle rehabilitiert hat.