THW Kiel - Zebras fangen stark an und lassen stark nach - Handball - Handball-M EHF-Cup - Artikel - Handballwoche
 

Zebras fangen stark an und lassen stark nach

Meister THW Kiel hat mit einem 33:31 (16:13)-Sieg beim FC Kopenhagen die Tür zum Viertelfinale der Champions League aufgestoßen. Doch die Tür, sie quietschte in der mit 2.000 Zuschauern nicht ausverkauften Farum-Arena gewaltig. In der 46. Minute führten die bis dato bärenstarken "Zebras" mit 26:19, die 600 THW-Fans feierten und der FC Kopenhagen ließ die Köpfe hängen. Das Ergebnis, es schien nur eine Frage der Höhe zu sein. Der überragende Filip Jicha hatte ohne Fehlwurf zehn seiner dreizehn Treffer erzielt, Thierry Omeyer stark gehalten und Marcus Ahlm für zwei geackert.

Doch in der letzten Viertelstunde wurde deutlich, dass der Kieler Höhenflug von zu wenigen getragen wurde. Trainer Alfred Gislason wechselte im Gefühl des sicheren Sieges durch, brachte Andreas Palicka für Omeyer, Börge Lund und Tobias Reichmann. Lund begann als Mittelmann stark, baute aber schnell ab. Reichmann agierte in der Deckung zu ungeschickt, die Aufholjagd der Dänen nahm über seine rechte Seite an Fahrt auf. Die Hausherren holten Tor um Tor auf, und hätte Jicha beim Stand von 31:30 (58.) nicht einen Pass von Erlend Marmelund geschnappt, wäre noch ein Remis möglich gewesen. "Mit der Art und Weise, wie wir hier am Ende gespielt haben, bin ich sehr unzufrieden", meinte ein gefrusteter Ahlm. Für den ruhigen Schweden eine Aussage, die in die Kategorie Wutausbruch passt.

Als der Sand sich erst einmal im THW-Getriebe eingenistet hatte, war ein Neustart nicht mehr möglich. Es fehlten auch die Alternativen. Momir Ilic und Daniel Narcisse waren beide nicht in der Lage, dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken. Christian Zeitz schickte seinen Trainer einmal mehr auf eine emotionale Achterbahnfahrt. In der Abwehr stand der Linkshänder gut, stahl zudem fünf Bälle. Doch im Angriff blieb er mit vielen Fehlern und einer schwachen Quote von 30 Prozent erneut den Beweis schuldig, sich in ein taktisches Konzept einbinden lassen zu können. In der 49. Minute knickte er zudem um und musste mit einer Überdehnung im linken Sprunggelenk das Feld räumen.

Aron Palmarsson und Kim Andersson hätten dem wankenden THW Korsettstangen einziehen können, beide blieben aber verletzungsbedingt auf der Bank. Bei Palmarsson zwickt noch der Knöchel, bei Andersson seit dem Göppingen-Spiel das rechte Knie. So blieb es an Jicha hängen, nach einem an ihm verursachten Foul per Strafwurf Sekunden vor dem Abpfiff zumindest einen Zwei-Tore-Vorsprung ins Ziel zu retten. "Wir fühlten uns am Ende zu sicher. Jetzt müssen wir sehr aufpassen, sonst erreicht Kopenhagen die nächste Runde", so Jicha.