VfL Gummersbach - Erneut Europacupsieger - Gummersbach leistet Unglaubliches - Handball - Handball-M Pokalsieger - Artikel - Handballwoche
Erneut Europacupsieger

Gummersbach leistet Unglaubliches

Im Rausch des Sieges ließ selbst der strenge Trainer Milde walten. Aus Freude über dem Triumph im Endspiel des europäischen Pokalsieger-Wettbewerbes gegen BM Granollers hob Handball-Lehrer Sead Hasanefendic für seine Profis vom VfL Gummersbach kurzerhand die Sperrstunde auf.

Nachts um eins wurden Taxis geordert und die schon in der Halle begonnene Siegerparty in den Bars der spanischen Stadt fortgesetzt. Linksaußen Adrian Wagner geriet ins Schwärmen: «Ich hoffe, dass wir mit diesem Erfolg die Weichen dafür gestellt haben, dass in Gummersbach über Jahre weiter erfolgreich Handball gespielt werden kann.»

Trotz der 33:37-Niederlage in Spanien und der noch ausstehenden zwei Bundesliga-Spiele ließen es alle Beteiligten mächtig krachen. Unbeeindruckt von der hitzigen Atmosphäre in der Halle überstanden die Gummersbacher auch die kritischen Phasen der Partie vor allem dank des zehnmaligen Torschützen Viktor Szilagyi schadlos und brachten den Neun-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel weitgehend ungefährdet über die Zeit. «Damit ist meine Europacup-Sammlung komplett», scherzte Szilagyi, der zuvor mit dem THW Kiel bereits die Champions League sowie mit Essen und Gummersbach den EHF-Pokal gewonnen hatte.

Nur ein Jahr nach dem Triumph im EHF-Pokal feierte der Altmeister, der zuvor 26 lange Jahre auf einen internationalen Titel hatte warten müssen, einen weiteren beachtlichen Erfolg. Selbst der aus finanziellen Gründen notwendige Verkauf von Stars wie Momir Ilic (Kiel) am Ende der vorigen Saison konnte den Aufwärtstrend nicht stoppen. Der neuerliche Coup verblüffte auch Heiner Brand: «Der VfL hat eine sensationelle Saison gespielt. Dieser kleine Kader muss sich immer am Limit bewegen, um Erfolg zu haben», sagte der in Gummersbach wohnende Bundestrainer.

Der insgesamt zwölfte internationale Titel schürt die Hoffnung auf bessere Zeiten. Noch immer bewegt sich der ruhmreiche Club auf schmalem Grat. Die Lizenz für die kommende Saison erhielt er nur mit Auflagen. Doch nicht nur die positiven sportlichen Schlagzeilen dürften bei der Akquise von Sponsoren hilfreich sein. Darüber hinaus stimmt auch die vor wenigen Tagen erfolgte Zustimmung des Stadtrates zum Bau einer neuen, rund 4000 Zuschauer fassenden Halle optimistisch. «Das schafft bessere Voraussetzungen», befand der ehemalige Gummersbacher Profi Brand, «ohne diese Entscheidung des Stadtrates hätte man die Lizenz zurückgeben können.»

Alle Sorgen um einen schleichenden Niedergang des Traditionsclubs erweisen sich zur Freude von Geschäftsführer Axel Geerken mehr und mehr als unbegründet: «Die Einstellung ist hervorragend, trotz finanzieller Probleme haben die Jungs immer weitergemacht und nie den Kopf hängen lassen. Sie sind ein Team, das seinesgleichen sucht.» Der vermeintliche Nachteil, über einen nur kleinen Kader zu verfügen, entpuppte sich nach Einschätzung von Szilagyi als Vorteil. Schmunzelnd erklärte der Rückraum-Schütze seinen staunenden Zuhörern das Gummersbacher Erfolgsgeheimnis: «Wir sind prima eingespielt. Manche Mitspieler kenne ich besser als meine Frau.»