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Gummersbach am Abgrund

Volle Vitrine, leere Kasse

Der Trophäenschrank wird immer voller, doch die Vereinskasse bleibt bedenklich leer. Kaum war die Party nach Europapokal-Gewinn zu Ende, kehrten beim VfL Gummersbach die Sorgen zurück. Die große finanzielle Not dämpfte die Freude über den historischen Coup.

Nur einen Tag nach dem 26:26 im zweiten Finale des Cupsieger-Wettbewerb gegen Tremblay HB, mit dem der Handball-Traditionsclub den dritten internationalen Titel in Serie gewann, ging die Suche nach neuen Geldgebern weiter.

Angesichts des «Hattricks» schöpft Geschäftsführer Axel Geerken neuen Mut: «Wir haben bewiesen, dass der VfL lebt. Der erste Feiertag ist geschafft, nun nehmen wir den zweiten in Angriff.»

Fieberhaft arbeitet die Vereinsspitze daran, dass das für Sommer geplante große Jubiläumsfest zum 150-jährigen Bestehen des Vereins nicht zur Trauerfeier wird. Viel Zeit bleibt nicht, um den drohenden Lizenzentzug noch abzuwenden. Schließlich muss es dem Altmeister binnen einer Woche gelingen, die von der Lizenzierungskommission der Handball-Bundesliga (HBL) bemängelte Liquiditätslücke in Höhe von 2,2 Millionen Euro zu schließen. Ansonsten droht der Absturz in die Drittklassigkeit. «Wir sehen diese Situation auch als Chance, den VfL als richtiges Wirtschaftsunternehmen aufzustellen», sagte Geerken der Nachrichtenagentur dpa.

Im Überlebenskampf sind die Gummersbacher erprobt. Schon 1996, 2000 und 2009 stand der Verein vor dem Aus. Auch die internationalen Erfolge machten sich kaum bezahlt. Nur durch Gehaltsverzicht von Spielern und kurzfristige Transfererlöse konnte er den Konkurs abwenden. Um ähnliche Horror-Szenarien in Zukunft zu vermeiden, werkeln die Verantwortlichen bereits seit Monaten an einem tragfähigerem Finanzkonzept. Damit soll der auf rund vier Millionen Euro geschätzte Gesamtschuldenberg abgetragen werden.

Dem Vernehmen nach wollen Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, wenn der Verein in den kommenden Tagen zwei Millionen Euro auftreibt. Gespräche mit potenziellen Geldgebern bezeichnete Geerken als vielversprechend. Zudem ist ein Einspruch gegen den HBL-Bescheid geplant, um die Summe zu drücken. Die sportliche Substanz will der Geschäftsführer erhalten: «Es ist nicht unser Ansatz, diese Mannschaft zu verkaufen. Es muss über die Akquise neuer Sponsoren laufen.»

Wie sehr die existenzbedrohende Situation auch den Profis zu schaffen macht, wurde am Freitag im Finale gegen die Franzosen deutlich. Trotz des 30:28-Erfolgs gegen Tremblay im Hinspiel eine Woche zuvor wirkte der VfL lange Zeit verunsichert. Beim Stand von 16:23 in der 44. Minute schien das Spiel verloren. Doch mit Hilfe der fast 8000 lautstarken Zuschauer in Köln riss Gummersbach die Partie in einer dramatischen Schlussphase noch aus dem Feuer. «Das war das schwerste Spiel in den vergangenen drei Jahren», kommentierte Trainer Sead Hasanefendic mit Bezug auf die suboptimale Vorbereitung.

Inständig hofft der Coach, dass ihm Schlagzeilen über eine drohende Pleite in Zukunft erspart bleiben. Voller Stolz verwies er auf die Arbeit der vergangenen Jahre: «Drei internationale Titel in Serie, das ist Gummersbach selbst in der glorreichen Zeit nicht gelungen.» Mit erhobenem Zeigefinger verwies Hasanefendic auf das große Potenzial des Traditionsclubs: «Wir haben das geschafft, obwohl wir jedes Jahr unsere besten Spieler abgeben musste. Ohne diese Verkäufe könnten wie sogar mit Hamburg, Kiel oder Barcelona mithalten.»