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THW Kiel feiert den Super Globe

Cola statt Sekt

Der THW Kiel ist Vereinsweltmeister im Handball, aber die Party danach war trocken. Das Alkoholverbot im Gastgeberstaat Katar und die Konzentration auf das nächste Bundesligaspiel am Sonntag bei Hannover-Burgdorf ließen den Konsum von Hochprozentigem nicht zu.

«Wir müssen wohl oder übel mit Cola und Orangensaft feiern», sagte THW-Nationalspieler Christian Sprenger, nachdem seine Mannschaft den Titel beim Super Globe, der inoffiziellen Handball-Vereins-Weltmeisterschaft in Doha, mit einem 28:23 über Titelverteidiger BM Ciudad Real erobert hatte. Es gab zwar Konfettiregen, aber nicht die übliche Champagnerdusche.

Welthandball-Präsident Hassan Moustafa überreichte neben der Siegertrophäe einen Scheck über 400 000 Dollar (282 000 Euro) an Kiels Kapitän Markus Ahlm. Zum Vergleich: In der Champions League verdienten die Kieler, die im Viertelfinale am FC Barcelona gescheitert waren, in 14 Partien 145 000 Euro an Prämien. Vier Siege in Doha brachten 137 000 Euro mehr - ein lohnendes Geschäft.

«Vereins-Weltmeister hört sich gut an», meinte Rückraumspieler Momir Illic und strahlte. Nicht ganz so erfreut war Christian Zeitz, der sich einen Magen-Darm-Infekt zugezogen hatte und deswegen beim Finale nur auf der Bank saß: «Ich werde die Nacht mit Cola, Salzstangen und Medikamenten verbringen.»

«Es war schön, diesen Titel zu gewinnen. Noch schöner war es, ihn gegen Ciudad Real zu gewinnen. Wir haben uns diesen Erfolg durch eine super zweite Halbzeit verdient», lobte Trainer Alfred Gislason seine Mannschaft, die zur Pause noch mit 10:14 hinten lag, sich dann aber gegen den dreifachen Champions-League-Sieger und zweifachen Vereinsweltmeister aus Spanien aufbäumte und selbst eine Rote Karte gegen Welthandballer Filip Jicha verkraftete. Als Sieger ist der THW schon für die nächste Club-WM 2012 qualifiziert.

Nachdem Bundesliga-Meistertitel und Champions-League-Finalrunde verpasst wurden, ist dieser Erfolg ebenso wie der Gewinn des DHB-Pokals ein Trostpflaster auf die geschundene Seele der Kieler. «Das ist kein Titel nur für den Briefkopf. Wir sind jetzt die beste Clubmannschaft der Welt - und die erste aus Deutschland überhaupt», sagte THW-Geschäftsführer Uli Derad, der sich über einen stattlichen Obolus für die Vereinskasse freut.

Für die Spieler indes war der Titelgewinn wichtiger als die Finanzen. Den im Finale überragenden Torwart Thierry Omeyer - immerhin dreifacher Weltmeister, Doppel-Europameister und Olympiasieger - ergriff Stolz. «Ich freue mich über jeden Titel, den ich zuvor noch nicht gewonnen hatte», sagte der Franzose. Der als bester Torwart des Turniers ausgezeichnete Omeyer zog schon jetzt ein Saisonfazit: «Selbst wenn wir nicht wie erhofft wieder deutscher Meister und Champions-League-Sieger geworden sind, war es eine erfolgreiche Spielzeit mit zwei Titeln. Das ist kein schlechtes Bild.»