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Sportpolitik

EHF integriert Clubs - Keine Klage

Europas Handball-Clubs haben einen wichtigen sportpolitischen Erfolg errungen. Über ein «Professional Handball Board» (PHB) werden die Vereine künftig bei allen Entscheidungen der Europäischen Handball-Föderation (EHF) mitbestimmen.

Darauf einigten sich beide Gremien nach jahrelangen Verhandlungen und unterzeichneten in Köln ein «Memorandum of Understanding». Als Konsequenz auf diese Vereinbarung wird die Group Club Handball (GCH) als Vertretung der 18 einflussreichsten Vereine eine Wettbewerbsklage vor der EU-Kommission in Brüssel zurückziehen.

Damit sind erstmals die Clubs direkt an allen Entscheidungen der EHF beteiligt. Dies war bislang nur den nationalen Verbänden vorbehalten. Ein Vertreter des PHB wird künftig der EHF-Exekutive angehören. «Das Professional Handball Board ist jetzt ein Akteur im Handball. Wir werden zusammen ein sehr starkes Team sein», sagte EHF-Präsident Tor Lian (Norwegen) und bezeichnete die Vereinbarung als «historisch».

Die Vereine können nun über alle wichtigen Fragen mitbestimmen. Das betrifft unter anderem Abstellgebühren für Nationalspieler, deren Versicherung oder auch die Gestaltung des Wettkampfkalenders. Ziel ist es unter anderem, innerhalb eines Olympia-Zyklus' nur noch drei große Meisterschaften anstatt bisher fünf zu haben. «Wir wollten eingebunden werden in alle Entscheidungen in unserem Sport. Wir sind glücklich, jetzt offiziell in der EHF-Familie zu sein. Ich denke, in der Handball-Geschichte ist das ein Meilenstein», sagte Tomaz Jersic.

Der Slowene war am Vortag zum Präsidenten des Forum Club Handball (FCH) gewählt worden. Dieser Interessenvertretung gehören alle nationalen Meister an sowie die letzten 24 Vereine der Champions League, die jeweils letzten 16 Clubs aus EHF-Pokal und Europacup der Pokalsieger sowie die letzten acht Teams im Challenge Cup.

«Wir sind sehr zufrieden. Die Vereinbarung ist die Grundlage dafür, dass die Clubs und die EHF sinnvoll zusammenarbeiten», sagte GCH-Geschäftsführer Gerd Butzeck, der neben Jersic dem neu zu gründenden Professional Handball Board angehören wird. Er kündigte zugleich an, die Wettbewerbsklage zurückzuziehen. Damit hatten die Clubs auf juristischem Weg Einfluss auf die Wettkampfkalender erreichen wollen. «Die Klage ziehen wir zurück. Dass wir sie eingereicht haben, war eine gute und richtige Entscheidung. Die Kommission hat Einfluss auf uns und auch die EHF genommen», sagte Butzeck.

Nun streben die Clubs auch mit dem Handball-Weltverband IHF eine vergleichbare Vereinbarung wie mit der EHF an. «Alles andere macht keinen Sinn», sagte Butzeck. Gegenüber dem bislang nicht gesprächsbereiten Weltverband wird nun auf Grundlage des Memorandums auch die EHF die Position der Vereine vertreten. Die IHF sei schriftlich über die neue Entwicklung informiert worden. «Wir erwarten, dass wir zügig Antwort bekommen», meinte Butzeck. Sollte die IHF nicht auf die Forderungen der Clubs eingehen, «sind wir vorbereitet, weiter zu gehen», erklärte der Funktionär, ohne Details zu nennen.