Dushebajew angeblich mit HSV einig - Hamburg oder Madrid – Talant schweigt - Handball - Weltspiegel - Artikel - Handballwoche
Dushebajew angeblich mit HSV einig

Hamburg oder Madrid – Talant schweigt

Gerüchte, Spekulationen und seit Donnerstag schweigt die Hauptperson: Kommt Talant Dushebajew nun doch als Trainer nach Hamburg oder nicht? Bringt er von Atletico Madrid auch noch bis zu vier Spieler zum HSV mit oder nicht? Am vergangenen Donnerstag gab Dushebajew der HANDBALLWOCHE noch ein ausführliches Interview, wirkte gelöst und entspannt – aber seit am Freitagmorgen zahlreiche Medienberichte veröffentlicht wurden, die Dushebajews Wechsel nach Hamburg verkündeten, ist der gebürtige Kirgise mit spanischem Pass nicht mehr erreichbar, geht nicht mehr an sein Handy. Noch am Donnerstag hatte Dushebajew der HANDBALLWOCHE  begründet, warum er im Februar seinen Handschlag-Vertrag mit Hauptsponsor Domingo de Mera verlängert und dem HSV abgesagt hatte: „Ich habe immer gesagt, dass ich mir vorstellen kann, bei Atletico Madrid eine ähnlich lange Zeit zu bleiben wie es Alex Ferguson bei Manchester United vormacht. Aber man weiß nie. Spielt ein Verein nicht mehr so erfolgreich, ist es für den Vorstand einfacher den Trainer statt 16 Spielern zu feuern. Davor ist man als Trainer nie gefeit. Aber ich würde schon gerne sehr lange bleiben. Zu Beginn seiner Amtszeit hat Alex Ferguson auch nicht gedacht, dass er so lange bei Manchester auf der Bank sitzen würde. Und daher plane ich von Spiel zu Spiel, von Jahr zu Jahr. Somit steht jetzt erstmal fest, dass ich nächste Saison in Madrid bleibe, dann sehen wir weiter.“ Von aktuellen Finanzproblemen des Clubs, der nach der vergangenen Saison von Ciudad Real in die spanische Hauptstadt umgezogen war, um neue Sponsoren- und Zuschauermärkte zu erschließen, kein Thema.

Wenn hingegen stimmt, was das „Hamburger Abendblatt“ vermeldet, war der Abschied zum Saisonende zu diesem Zeitpunkt schon beschlossene Sache. Denn nach deren Informationen soll es am Dienstagabend eine Krisensitzung gegeben haben, in der den Spielern von Atletico erklärt wurde, dass sie nach der Saison allesamt den Verein verlassen könnten, weil die finanziellen Probleme nicht mehr überbrückbar seien. Und so wurde spekuliert, dass nicht nur Dushebajew, sondern auch Torwart Arpad Sterbik, Linksaußen Jonas Källman, Kreisläufer Julen Aguinagalde sowie Toptorjäger Kiril Lazarow mit nach Hamburg wechseln würden. Lazarow hatte im Februar noch medienwirksam seinen Vertrag bei Atletico um zwei Jahre verlängert, „weil Dushebajew der beste Trainer ist, und das Projekt Atletico Madrid das beste für mich ist“, wie er in einem Interview der HANDBALLWOCHE sagte.

Also nun doch aus und vorbei? Von den Madrilenen gab es fast keine Aussage zu den Berichten, auch Manager Luis Miguel Lopez war persönlich nicht für die HW erreichbar. Auf die Anfrage über die Atletico-Pressestelle wurde Lopez wie folgt zitiert: „Wir bestreiten alles, was in diesen Artikeln steht. Wir haben ein großes Projekt – und zu diesem Projekt gehören der aktuelle Trainer sowie alle Spieler, die wir derzeit unter Vertrag haben.“ Auch aus Hamburg folgte ein schnelles Dementi von Präsident, Geschäftsführer und Interims-Trainer Martin Schwalb: „Wir haben im Moment keinen Kontakt. Was die Zukunft bringt, kann ich zurzeit nicht sagen.“ Vor allem die Meldung, dass nicht nur Dushebajew, sondern auch gleich vier Topspieler mit an die Alster kämen, wiegelte Schwalb gegenüber dem Sport-Informationsdienst ab: „Das ist Quatsch. Wir haben hier in Hamburg eine Mannschaft und sind keine geldscheißenden Esel.“

Was ebenfalls völlig verwundert, ist, dass die der Regel sehr gut informierte spanische Sportpresse – allen voran die in Madrid ansässigen Fachzeitschriften „Marca“ und „As“ – sich bis Sonntagabend des Themas überhaupt noch nicht angenommen haben. Und ganz andere Spekulationen wurden vor einigen Wochen aus Russland vermeldet: Der russische Verband, der einen Nachfolger für Männer-Nationaltrainer Wladimir Maximov suchte (und mittlerweile in Oleg Kuleschow fand), hatte ebenfalls mit einer Verpflichtung Dushebajews geliebäugelt, der mit der Sowjetunion Olympiasieger geworden war. Doch man verzichtete auf intensivere Kontakte, weil man in Russland davon ausgeht, dass Dushebajew „spätestens 2014, vielleicht schon früher“ Nationaltrainer in Katar würde, um die Mannschaft auf die Heim-WM 2015 vorzubereiten. Was hingegen auf einen früheren Abschied aus Madrid hindeuten könnte, ist die Tatsache, dass nicht etwa wie üblich Dushebajew, sondern Co-Trainer Raul Gonzales auf der Club-Website zum sonntäglichen Ligaspiel von Atletico bei Ciudad Encantada sich zu Gegner und Taktik äußerte.