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Größeres Mitspracherecht der Clubs

Strukturreform im europäischen Handball

Die Europäische Handball Föderation EHF hat eine Strukturreform beschlossen und den Vereinen damit ein größeres Mitspracherecht eingeräumt.

Mit breiter Mehrheit stimmten die Delegierten der 49 Nationalverbände beim 10. EHF-Kongress in Kopenhagen für die Einführung des Professional Handball Boards (PHB). Damit werden die Vereine nun bei allen EHF-Entscheidungen, wie die Höhe von Abstellgebühren für Nationalspieler oder den künftigen Terminkalender, mitbestimmen. In dem Board sitzen künftig je zwei Vertreter von Clubs, Ligen, Spielerorganisationen, Nationalverbänden und der EHF-Exekutive.

«Das ist eine optimale Lösung für alle Clubs und alle Ligen. Auf dieser Ebene wird sich in Zukunft sehr gut arbeiten lassen», sagte Reiner Witte. Der Präsident der deutschen Männer-Bundesliga (HBL) ist als Vorsitzender des Zusammenschlusses der wichtigsten europäischen Handball-Ligen in Kopenhagen. Er erwartet nun vor allem eine Erhöhung der Abstellgebühren an die Männer-Clubs. Derzeit zahlt die EHF rund 400 000 Euro pro EM aus. Der noch zu wählende Präsident des PHB - aller Voraussicht nach ein Vertreter der Vereine oder der nationalen Ligen - wird Mitglied der EHF-Exekutive, dem wichtigsten Entscheidungsgremium nach dem Kongress.

Auch die Cluborganisation «Forum Club Handball» (FCH) zeigte sich zufrieden. «Die Entscheidung ist ein entscheidender Schritt in die Zukunft. Nun haben die Clubs die Mitspracherechte, die ihnen zustehen. Gemeinsam werden wir nun Lösungen für alle Probleme finden», erklärte der slowenische FCH-Präsident Tomas Jersic. Das Board ist Teil einer Vereinbarung, die die EHF mit dem FCH im Mai geschlossen hatte. Daraufhin zog die «Group Club Handball» (GCH), die Vertretung der 18 einflussreichsten Vereine (u.a. der THW Kiel), eine Wettbewerbsklage vor der EU-Kommission gegen die EHF und den Weltverband IHF zurück.

«Diese Entscheidung ist ein Schritt hin zu mehr Demokratie», sagte der französische EHF-Vizepräsident Jean Brihault. «Die Idee, die hinter diesem Gremium steht, ist, alle Parteien in den Entscheidungsprozess einzubinden.» Der erste Versuch der EHF-Führung, das Board zu installieren, war beim Kongress im Oktober 2009 gescheitert. Aufgrund von Bedenken vor allem aus den nordischen Ländern war die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit nicht zustande gekommen.

Beim Kongress wurde zudem debattiert, auch für die Frauen ein solches Board einzuführen. Ende November soll es dazu einen Workshop in Wien geben. An diesem Samstag wird auf dem Kongress zudem die Männer-EM 2014 vergeben. Für das Männerturnier haben sich Kroatien und Ungarn als gemeinsame Gastgeber sowie Dänemark beworben. Eine Entscheidung über das Frauenturnier wird es indes nicht geben: Die einzigen Bewerber, Slowenien und die Türkei, haben ihre Bewerbung zurückgezogen. Jetzt wird die EM neu ausgeschrieben.