Thomas Bauer analysiert die Lage in der HLA - Ungewohnte Verfolger für Bregenz - Handball - Weltspiegel - Artikel - Handballwoche
Thomas Bauer analysiert die Lage in der HLA

Ungewohnte Verfolger für Bregenz

Der österreichische Nationaltorhüter Thomas Bauer, der seit dem Sommer beim Zweitliga-Aufsteiger TV Korschenbroich in Deutschland spielt, betrachtet allwöchentlich für Handballwoche.de die aktuellen Entwicklungen in der Handball Liga Austria.

Mit den Überraschungsteams UHK Krems und dem HC Linz hat Meister und Tabellenführer A1 Bregenz derzeit offensichtlich zwei neue Verfolger. Die Wiener Clubs rangieren nach fünf gespielten Runden im Tabellenmittelfeld, denn beide Teams aus der Hauptstadt mussten schon zwei Niederlagen in der noch jungen Meisterschaft einstecken, während Linz und Krems bei je zwei Minuspunkten halten, aber schon vier Siege, also acht Pluspunkte auf dem Konto haben.

Mit 156 erzielten Toren, aber mit der schwächsten Defensivleistung der Liga (174 Gegentore) steht Juri Leoben am Tabellenende und wird die rote Laterne auch in den kommenden Runden wohl nicht abgeben können, denn die nächsten Gegner sind mit den Aon Fivers, HC Linz und Alpla Hard drei Teams, für die das Team aus Leoben im Normalfall kein Stolperstein sein darf.

Die Verwandlung des pummligen Jungen

Die einzigen Lichtblicke beim Schlusslicht sind derzeit die beiden neuen Rückraumshooter Ivan Ivisic und Wolfgang Fürstler, die gemeinsam für exakt die Hälfte aller geworfenen Tore verantwortlich sind. Letzteren habe ich persönlich vor etwa acht Jahren bei einem Sommerhandballcamp als kleinen, pummeligen und schüchternen Jungen kennengelernt. Mittlerweile bringt der 195 cm große Kärntner 105 Kilogramm Kampfgewicht auf die Waage und hat über die Harder U21 Mannschaft endlich den Sprung in die erste Liga geschafft.

Jugend an die Macht

Aber nicht nur Fürstlers Entwicklung verfolge ich mit großer Neugier und Zuversicht. Neben ihm sorgen noch weitere junge heimische Talente mit guten Leistungen für Aufsehen in der Handball Liga Austria. Juniorenteamspieler Martin Fuger, Matthias Nikolic (beide Aon Fivers) und Gerald Zeiner (UHC Tulln) sammeln auf der Spielmacherposition vermehrt Spielpraxis. Raul Santos (Juri Leoben), Marian Klopcic (A1 Bregenz) und  Renato Matijevic (UHC Tulln) wirbeln an den Außenpositionen und Dominic Schmid (Alpla Hard) sowie die Zwillinge Alex und Max Hermann (HC Linz) sorgen auf den Rückraumpositionen für neuen frischen Wind im Angriffsspiel ihrer Teams.

Leider sind nicht alle Vereine bereit, jungen ehrgeizigen Spielern eine Chance zu geben. Trotz freiwilliger Legionärsbeschränkung, dem sogenannten „Gentlemen`s Agreement“, laufen bei der SG West Wien bis zu vier, anstatt der ausgemachten drei Legionären übers Parkett. Alpla Hard hält sich heuer an die Regelung und A1 Bregenz hat die Zahl seiner Fremdarbeiter gar auf zwei verringert.

Qualitätsverlust nur vorübergehend

Diese Entwicklung mag vorübergehend einen kleinen Qualitätsverlust in der Liga bewirken, ist dennoch angesichts knapperer Sponsorenbeiträgen gegenüber höheren Gehaltserwartungen vieler „fertiger“ Handballprofis, auf jeden Fall zu begrüßen. Besonders profitieren können nun jene Teams, die schon seit Jahren zielorientiert erfolgreiche Nachwuchsarbeit betreiben. Bei diesem Thema sind die Aon Fivers, der HC Linz, Alpla Hard und A1 Bregenz lobenswert zu erwähnen. Der Meister kann sogar eine eigens errichtete Handballakademie sein stolzes Eigen nennen.

Ländle-Derby als Duell der „Eurofighter“

Mit Michael Jochum und Michael Knauth auf Harder Seite und der Bregenz-Fraktion des aktuellen Nationalteams Matthias Günther, Fabian Posch, Lucas Mayer, Roland Schlinger und Björn Tyrner standen sich einige EM-2010-Kandidaten am Freitagabend zum großen Vorarlbergderby gegenüber. Österreichs Sportsender ORF Sport Plus, den ich dank TV Sportpaket auch im schönen Düsseldorf empfangen kann, bescherte mir einen Handballabend, der an Spannung kaum zu überbieten war.

Die Harder Teufel, die alles andere als optimal in die Saison gestartet sind, boten dem Meister in einem sechzigminütigen Kampf mehr als nur Paroli, gingen zwischenzeitlich sogar mit zwei Toren in Front. In den Schlussminuten waren dann drei Herren auf Bregenzer Seite für den positiven Ausgang des Spiels maßgeblich verantwortlich. Zum einen Roland Schlinger, der zwar nie richtig ins Spiel kam, aber durch sehenswerte Einzelaktionen und hammerharte Raketenwürfe aus dem Rückraum das Spiel in der Endphase an sich riss. Zum anderen der 17-jährige Youngster Marian Klopcic, der auf der Rechtsaußenposition unbekümmert aufspielte und ebenso sehenswerte wie überaus wichtige Treffer erzielte. Und zu guter letzt Torhüter Goran Aleksic, der sich im Laufe des Spiels enorm steigern konnte und mit seinem parierten Siebenmeterwurf in letzter Sekunde gegen Andriy Kuzo zum Matchwinner wurde und das knappe 29:28 festhielt.

Auf Harder Seite gefielen besonders Showman Michael Knauth auf Rechtsaußen und die Achse Maciej Tluczynski – Janis Glusaks. Mit dem bulligen Letten auf der Kreisposition haben die Teufel vom Bodensee den abgewanderten Landsmann Margots Valkovskis mehr als nur ersetzt und Wleklak-Nachfolger Tluczynski führt nicht nur ausgezeichnet Regie, sondern übernimmt mit seinen präzisen Stemmwürfen ebenfalls Wurfverantwortung aus dem Rückraum. Einzige Minuspunkte im Spiel der Harder: Auf der Königsposition, dem linken Rückraum, aber auch auf der rechten Seite ist auf jeden Fall eine erhebliche Steigerung notwendig, wenn sich die Mannschaft aus dem unteren Tabellendrittel nach oben arbeiten will.

KOMMENTARE

Jodecy, 12.08.15, 04:36 Uhr
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Jennylee, 11.08.15, 09:27 Uhr
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