29:24 in Leipzig: Dominanter Auftritt der SG Flensburg-Handewitt

Als das Spiel entschieden war und Magnus Röd sich auf die fast verwaiste Auswechselbank schleppte, nahm Trainer Maik Machulla den Norweger breit grinsend in den Arm. „Maik hat gesagt, ich soll noch einmal alles raushauen. Das habe ich gemacht“, sagte der glückliche Röd nach dem 29:24 (17:13)-Erfolg der SG Flensburg-Handewitt beim SC DHfK Leipzig.

Wie auch seine müden Mitspieler hatte der SG-Handballer im abschließenden Spiel des Jahres die letzten Kraftreserven mobilisiert – mit Erfolg. „Die Mannschaft war bereit, körperlich und mental über Grenzen zu gehen“, lobte Machulla.

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Keine Pause für WM-Fahrer

Der geschundene Röd will den Januar nutzen, um „Ordnung in den Körper zu kriegen“. Er verzichtet auf die WM in Ägypten, für die neun Flensburger nominiert sind. Sie haben keine Zeit zum Durchschnaufen, für sie beginnt in den nächsten Tagen die Vorbereitung.

Immerhin: Der Reisestress hält sich vor dem Abflug nach Ägypten zumindest für die Norweger in Grenzen, da Christian Berge seine Auswahl in Flensburg versammelt und ein B-Team zu den vorab anstehenden Qualifikationsspielen für die EM 2022 schickt.

Vor der schweren Partie in Leipzig meldete der HC Erlangen, kurz vor Weihnachten noch SG-Gegner (33:23), einen Corona-Fall. „Aber wir sind weiterhin coronafrei“, berichtete SG-Geschäftsführer Dierk Schmäscke von ausschließlich negativen Testergebnissen.

Bergerud weckte die SG

Torbjörn Bergerud weckte den Spitzenreiter auf. Beim Stand von 3:1 für Leipzig (6. Minute) kaufte der SG-Keeper Lukas Binder einen Tempogegenstoß ab. Nun waren die dezimierten Gäste voll da. Sie fanden Kompaktheit in der Abwehr – Leipzigs Nationalspieler Philipp Weber kam kaum zum Zug – und Tempo im Angriff. Jim Gottfridsson hämmerte einen Wurf zum 3:3 in den Winkel, kurz darauf bediente der starke Schwede Johannes Golla per No-Look-Pass. Der Kreisläufer erzielte akrobatisch die erste SG-Führung (6:5, 12.).

Mit Bergerud als Rückhalt (zwölf Paraden) und Gottfridsson als Motor übernahm das Machulla-Team die  Kontrolle. Mads Mensah krönte einen 4:0-Lauf zum 13:9 (22.). Bemerkenswert war die starke Wurfquote der SG, die sich kaum einen Fehlwurf leistete und das Polster bis zur Halbzeit (17:13) behauptete.

Es wird nur kurz spannend

Die Effektivität ging nach dem Seitenwechsel verloren.

 

Der eingewechselte Kristian Saeveraas (zehn Paraden in der zweiten Hälfte) wurde zum Faktor, zudem sprengte eine Rote Karte für Simon Hald beim 18:13 (37.) das Flensburger Abwehrbollwerk. Viele Teams hätten verunsichert auf diese Schwächung, das 19:17 (42.) von Alen Milosevic und eine doppelte Unterzahl reagiert.

Nicht so die SG. Röd wühlte sich zum 21:18 (44.) durch die Abwehr, holte eine Zeitstrafe heraus und erhöhte im nächsten Angriff auf 22:18. Der coole Hampus Wanne setzte von der Siebenmeter-Linie noch einen drauf. Der Linksaußen traf bei zehn Versuchen neun Mal und verwandelte alle sechs Siebenmeter.  

Schöner Abschluss

In der Schlussphase brannte trotz eines kurzen Leipziger Strohfeuers (25:22, 54.) nichts mehr an am achten SG-Erfolg in den zurückliegenden neun Liga-Spielen. „Das war wirklich stark von uns“, fasste Mensah treffend zusammen.

 

Seine Mannschaft startet als Bundesliga-Tabellenführer ins Jahr 2021 und steht den personellen Sorgen zum Trotz auch in der Champions League gut da.

SC DHfK Leipzig: Saeverass (ab 21.), Birlehm – Wiesmach (4), Krzikalla (3/2), Meyer-Siebert, Binder (2), Pieczkowski (1), Larsen, Weber (1), Mamic (4), Remke (2), Gebala (1), Neumann, Milosevic (6), Esche, Szeles
SG Flensburg-Handewitt: Buric (bei einem 7m), Bergerud – Golla (2), Hald, Svan (1), Wanne (9/6), Jöndal (n.e.), Steinhauser (n.e.), Heinl, Mensah (4), Sögard (2), Gottfridsson (5), Holpert (n.e.), Röd (6)
Schiedsrichter: Kinzel/Grobe (Braunschweig/Bochum)
Zeitstrafen: 4:2
Disqualifikationen: Gebala (27./Griff in den Arm von Gottfridsson) – Hald (37./Griff in den Arm von Pieczkowski)
7m: 2/4:6/6

EHF terminiert ausgefallene Spiele

Die Europäische Handballföderation (EHF) hat die ausgefallenen Vorrundenspiele in der Champions League terminiert. Kurz nach dem WM-Ende am 31. Januar muss die SG Flensburg-Handewitt  am Donnerstag, 4. Februar (18.45 Uhr), in Weißrussland bei Meshkov Brest antreten. „Das ist ein Brett“, sagte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke. Am folgenden Wochenende steht das Bundesliga-Spiel gegen den SC Magdeburg im Programm. Die Partie bei Pick Szeged soll am 28. Februar (18 Uhr) nachgeholt werden. Der THW Kiel empfängt am 4. Februar (20.45 Uhr) Motor Zaporozhye und am 16. Februar (18.45 Uhr) Aalborg Handbold.

 

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