Alexander Peterssons durchkreuzte Pläne

„Blöd gelaufen!“ Mehr muss Alexander Petersson nicht sagen, um seine aktuelle Situation zu beschreiben. Mit „viel Freude und Motivation“ war der Isländer im Januar während der Handball-WM von den Rhein-Neckar Löwen zur SG Flensburg-Handewitt gewechselt, wo er bis zum Saisonende den verletzten Franz Semper ersetzen soll.

„Hölle Nord“-Podcast: Alexander Petersson – plötzlich wieder Flensburger

Im Training verletzt

Nun muss Petersson wegen eines Sehnenteilrisses im linken Oberschenkel selbst zuschauen. Die Verletzung zog er sich im Training zu. „Ich bin bei einem Zweikampf weggerutscht. Ich habe versucht weiterzumachen“, berichtet der 40-Jährige, „aber es ging nicht“.

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Petersson werde mehrere Wochen ausfallen, teilte die SG nach einer MRT-Untersuchung mit. Zweieinhalb Wochen ist das jetzt her. Petersson hofft, schon nach der Länderspielpause Mitte des Monats wieder helfen und Magnus Röd die dringend benötigte Entlastung verschaffen zu können, spätestens aber im Derby gegen den THW Kiel am 27. März.

 

Skepsis weicht Ehrgeiz

Bereut hat Petersson den Wechsel trotz der Umstände nicht. Dabei hatte er gezögert, als Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann ihn über das SG-Interesse informierte. Der unerwartete Anruf während des WM-Turniers hatte ihm eine schlaflose Nacht beschert, an deren Ende „ich mich entschieden habe, nicht zu wechseln“.

Der Grund: Die Familie lebt seit 2012 in der Mannheimer Region und ist dort fest verankert. Den Vertrag bis zum Sommer wollte Petersson unbedingt erfüllen.

Allerdings drängten die im rechten Rückraum gut aufgestellten Löwen aufgrund wirtschaftlicher Zwänge auf den Wechsel, sodass Petersson für ein halbes Jahr in Flensburg unterschrieb. Die Rückkehr war perfekt – der Isländer trug schon von 2007 bis 2010 das SG-Trikot, ehe er bei den Füchsen Berlin größere Spielanteile suchte. Schnell wich die Skepsis, Mannheim zu verlassen, neuem Ehrgeiz:

 

Viel Vertrautes

In Flensburg traf er nicht nur auf eine vertraute Stadt und einen vertrauten Verein, sondern auch auf vertraute Gesichter. „Ich hatte schnell das Gefühl, dass ich zur Mannschaft gehöre“, sagt der 40-Jährige. Mit Lasse Svan und Jacob Heinl spielte er bereits bei seinem ersten SG-Engagement zusammen, Mads Mensah und Marius Steinhauser waren bei den Löwen jahrelang seine Teamkollegen. Steinhauser war Feuer und Flamme, als er von Peterssons Wechsel hörte. „Er hat mir viele Nachrichten mit Herzen und Küssen geschickt.“

Nostalgie-Momente

Mittlerweile hat Petersson sich in einer Wohnung in der Neustadt eingerichtet. Frau Eivor und die beiden Söhne Lukas und Tomas besuchten ihn vor kurzem für einige Tage. „Eivor war gleich wieder begeistert von Flensburg. Für sie hat es sich im Vergleich zu Süddeutschland so angefühlt, als wäre sie in einem anderen Land“, erzählt Petersson. Der 17 Jahre alte Lukas erkannte bei einer Spritztour seinen Kindergarten von damals wieder – Nostalgie kam auf.

Dass die Familie dauerhaft mitkommt, war keine Option, denn im Sommer geht es für Petersson wieder Richtung Süden.

 

2022 ist die Rückkehr nach Island geplant – vermutlich ohne Lukas, der bei der TSG Hoffenheim vielversprechend an seiner Karriere als Fußball-Torwart feilt.

Island-Karriere auf der Zielgeraden

2004 hatte Petersson die isländische Staatsbürgerschaft angenommen. Der gebürtige Lette war Teil der Mannschaft, die 2008 durch den Gewinn der Olympia-Silbermedaille Heldenstatus erlangte. Nun befindet sich die Karriere im Nationalteam, die von 2016 bis 2019 schon einmal unterbrochen war, auf der Zielgeraden. „Ich glaube, die WM war mein letztes Turnier. Aber man weiß ja nie“, sagt Petersson.