Emotion und Euphorie: Handball-Asse bereit für Kroatien

Köln (dpa) – Nach dem emotionalen Traumstart in die WM-Hauptrunde schalteten die von einer Euphoriewelle getragenen deutschen Handballer sofort wieder in den Turniermodus.

Ein Sieg im Schlüsselspiel gegen den EM-Fünften Kroatien am Montag (20.30 Uhr/ZDF) würde die DHB-Auswahl dem erhofften Halbfinal-Ticket ganz nahe bringen. Bundestrainer Christian Prokop hakte das souveräne 24:19 gegen Island daher schnell ab: «Für uns war extrem wichtig, dass wir die zwei Punkte haben. Es ging uns nur um diesen Sieg. Das hat die Mannschaft ganz geduldig und souverän geschafft.»

Den Rechenschieber wollte nach dem gelungenen Hauptrundenauftakt noch niemand herausholen. Doch allen ist klar: Gelingt ein Erfolg gegen die starken Kroaten, wäre der Weg nach Hamburg frei. «Wir werden gewinnen», versprach Abwehrhüne Finn Lemke. Im besten Fall könnte sich die DHB-Auswahl dann im letzten Hauptrundenspiel gegen Spanien vielleicht sogar eine knappe Niederlage leisten.

Im deutschen Teamhotel am Rheinufer mit Blick auf den Kölner Dom blendete man solche Gedankenspiele aus. «Entscheidend ist, was wir auf der Platte machen», sagte Prokop. Zumal allen bewusst ist: Jetzt kommt der wohl härteste Brocken. «Kroatien kommt über Emotionen und eine aggressive Abwehr. Und sie haben Spieler mit Weltklasseformat wie Duvnjak oder Cindric in ihren Reihen. Da müssen wir uns in Topform präsentieren und emotional gegenhalten», forderte Prokop.

Mit Unterstützung des fantastischen Publikums soll dies gelingen. «Schon beim Einlaufen war das wieder ein richtig geiles Gefühl. Es gibt gar keine Superlative mehr, die ich nennen kann», sagte Kapitän Uwe Gensheimer zur überragenden Atmosphäre in der brodelnden und mit 19.250 Zuschauern randvoll gefüllten Kölner Arena.

Seine Teamkollegen versuchten es trotzdem. «Die Stimmung haut mich um. Das ist unglaublich», befand der bärenstarke Torwart Andreas Wolff. Für Top-Schütze Steffen Fäth war es «phänomenal», Kreisläufer Jannik Kohlbacher verspürte «Gänsehaut pur» und der Bundestrainer schwärmte: «Das ist für uns alle eine Wahnsinnsgeschichte und gibt Energie. Die Zuschauer haben eine weitere Welle von Berlin herüber schwappen lassen.»

So geriet die Partie am Samstagabend zur besten Einstimmung auf das bevorstehende Highlight gegen Kroatien. Insbesondere in der Defensive bot die deutsche Mannschaft, in der Europameister Kai Häfner den WM-Neuling Franz Semper ersetzte, eine überragende Vorstellung. «Wir müssen es hinkriegen, wieder eine gute Abwehr zu stellen und möglichst wenig Gegentore zu bekommen. Wenn wir das schaffen, haben wir eine richtig gute Chance», sagte Rückraumspieler Paul Drux.

Vor allem Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Finn Lemke ließen die isländische Offensive teilweise verzweifeln. «Was Finn, Bam Bam und Peke da im Innenblock geleistet haben, war phänomenal. Das ist einfach ein Zeugnis für eine hervorragende Defensivleistung», lobte Wolff seine Vorderleute. Auch von Prokop gab es ein Sonderlob für das Trio: «Sie geben in der Abwehr die Kommandos, sind das Herzstück, die aggressiven Leader.»

In der Offensive kam ein gut aufgelegter Fäth hinzu, der mit sechs Toren bester deutscher Werfer war. «Ich bin froh, dass es so gut geklappt hat und ich der Mannschaft helfen konnte. Die Jungs haben mich aber auch in gute Wurfpositionen gebracht», meinte der Rückraumschütze vom Pokalsieger Rhein-Neckar Löwen bescheiden. Nicht ganz so nüchtern bewertete der Bundestrainer den Auftritt des 28-Jährigen: «Bei Steffen ist es fantastisch gelaufen. Da war ein Tor schöner als das andere.»