THW Kiel erobert mit Auswärtssieg in Berlin die Tabellenführung zurück

Hochspannung und Dramatik bis zur Schlusssirene, phasenweise Klasse-Handball, Tempo, tolle Tore und entscheidende Torwartparaden – das Bundesliga-Spitzenspiel zwischen den Füchsen Berlin und dem THW Kiel wurde am Sonntag den hohen Erwartungen vollauf gerecht. Am Ende jubelten die Kieler über einen hart erkämpften, aber nicht unverdienten 28:26 (15:17)-Sieg.

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„Es war ein geiles Handballspiel mit einer unheimlichen Intensität“, sagte auch THW-Trainer Filip Jicha nach dem Kraftakt in Berlin.

 

Reinkind-Show

Es war bezeichnend für die Partie, dass ausgerechnet Harald Reinkind den Deckel draufmachte auf den Kieler Sieg. Als nur noch Sekunden zu spielen waren und die Berliner längst auf offene Manndeckung umgestellt hatten, nahm sich der Linkshänder ein Herz, tankte sich bis zum Kreis durch und vollendete zum 28:26-Endstand. Der Rest war Kieler Jubel.

„Harald hat heute eine Weltklasseleistung gezeigt“, war auch Jicha mehr als angetan von der Leistung des 28-Jährigen, der neun Treffer erzielte und damit auch für seinen Landsmann Sander Sagosen in die Bresche sprang. Der Kieler Topstar musste erneut wegen eines Infekts passen.

Wichtige Landin-Paraden

Es wäre aber zu kurz gesprungen, den Kieler Sieg nur an Reinkind festzumachen. Als die Berliner sich anschickten, zu Beginn des zweiten Durchgangs dem Gast aus dem hohen Norden das Wasser abzugraben, waren auch die erfahrenen „Zebras“ zur Stelle und drehten die Partie nach einem zwischenzeitlichen Drei-Tore-Rückstand.

Torhüter Niklas Landin (Füchse-Sportvorstand Stefan Kretzschmar: „Er war da, als Kiel ihn brauchte“) lief zu großer Form auf und kaufte den Füchsen immer wieder ganz entscheidende Bälle ab. Kapitän Domagoj Duvnjak, im ersten Durchgang noch zurückhaltend, übernahm in der entscheidenden Phase Verantwortung und brachte seine Mannschaft mit dem 20:20 (43.) und wenig später dem 23:22 zurück in die Erfolgsspur.

Und auch der spät eingewechselte Youngster Oskar Sunnefeldt hatte mit starken Aktionen in der Deckung und als Zuspieler im Angriff seinen Anteil daran, dass die Kieler am Ende ihr Siegertänzchen aufs Parkett legen konnten und sich damit auch die Tabellenführung von der SG Flensburg-Handewitt, die am Vortag gegen Wetzlar gewonnen hatte, zurückeroberten.

Knisternde Spannung

Die zuletzt  überzeugenden Füchse standen zwar mit leeren Händen da, konnten aber dennoch stolz auf die gezeigte Leistung sein. Sie sorgten mit einer ganz starken Schlussphase im ersten Durchgang und mit großem Kampfgeist während der gesamten Partie dafür, dass es in der Max-Schmeling-Halle bis zum Schlusspfiff knisterte vor Spannung.

Füchse Berlin: Genz, Milosavljev – Ernst, Wiede (3), Holm (1), Gojun (1), Andersson (5), Lindberg (7/5), Michalczik, Chrintz, Matthes (1), Kopljar, Koch (1), Marsenic (3), Drux (1), Freihofer (3)
THW Kiel: N. Landin, Quenstedt – Ehrig (n.e.), Duvnjak (5), Reinkind (9), M. Landin (n.e.), Sunnefeldt, Weinhold, Wiencek (3), Ekberg (5/1), Ciudad (n.e.), Dahmke (2), Zarabec (2), Voigt (n.e.), Horak, Pekeler (2)
Schiedsrichter: Hartmann/Schneider (Barleben/Magdeburg)
Siebenmeter: 5:2
Zeitstrafen: 4:3