THW Kiel fehlt nur noch ein Sieg bis zur Tabellenführung

Ein Sieg gegen die HSG Wetzlar? Rune Dahmke hätte vor dem Anpfiff der Partie in der Handball-Bundesliga am Sonnabend „ohne zu zögern unterschrieben“. Schließlich sind die Hessen so etwas wie der Angstgegner des THW Kiel. Aus fünf der vorangegangen letzten neun Duelle waren die Kieler als Verlierer hervorgegangen, auch im Hinspiel hatte man das Nachsehen gehabt.

Das 22:31 vom 10. Oktober vergangenen Jahres ist die bislang einzige Niederlage des Titelverteidigers in der laufenden Saison. Kein Wunder also, dass sich der Linksaußen nach dem 23:19 (12:10) über „zwei wichtige Punkte“ im Titelkampf freute, mit denen die Kieler (31:3 Punkte) den Druck auf die an diesem Wochenende spielfreie SG Flensburg-Handewitt (32:4) erhöhten.

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Als Nummer eins ins Nordderby?

Sollte dem THW im Nachholspiel am Mittwoch gegen Leipzig ein weiterer Sieg gelingen, reist er am kommenden Sonnabend als neue Nummer eins zum Nordderby nach Flensburg. „Natürlich hat man die Tabelle immer so ein bisschen im Blick. Aber erst einmal müssen wir gegen Leipzig gewinnen. Und da müssen wir konzentrierter spielen als heute“, meinte Dahmke.

Denn in die Freude über den Erfolg mischte sich eine Portion Unmut. Dahmke haderte mit den letzten zehn Minuten der Partie, in der die Kieler zu sorglos agierten und eine komfortable 22:12-Führung (51.) bis zum Abpfiff Tor um Tor schmolz. Am Ende trennten nur noch vier Treffer beide Teams.

 

HSG-Coach Kai Wandschneider war hingegen froh, „um eine „Tracht Prügel herumgekommen“ zu sein.“

Dabei deutete in der ersten Halbzeit wenig auf eine am Ende einseitige Partie hin. Die stark ersatzgeschwächten Gäste stellten die Geduld der Kieler mit lang vorgetragenen Angriffen auf eine harte Probe. Sowohl gegen die 6:0- als auch gegen die offensivere 3:2:1-Abwehr des THW fanden die Hessen immer wieder Lösungen. Nach einem Treffer durch Emil Mellegard lag Wetzlar beim 6:5 sogar einmal kurzzeitig in Führung (17.).

Spar-Modus in der Schlussphase

Erst nach dem Seitenwechsel kam der THW-Express auf Touren. Die Deckung mit einem gut aufgelegten Dario Quenstedt im Tor dahinter zwang die Gäste zu überhasteten Würfen. Auch mit dem siebten Feldspieler konnten die Wandschneider-Schützlinge kaum noch gute Chancen kreieren. Zwischen der 38. und 51. Minute gelang der HSG kein Treffer, der THW setzte sich vorentscheidend von 14:12 auf 22:12 ab – um dann in den Spar-Modus zu schalten. „Mit den letzten zehn Minuten bin ich nicht einverstanden“, zürnte Coach Filip Jicha. „Es ist schade, wenn du vorher um jeden einzelnen Ball kämpfst und dann die letzten Minuten abschenkst.“

Gleichwohl war er mit dem Ausgang zufrieden: „Der Sieg war das wichtigste – das letzte Mal ist ja schon ein bisschen her.“

THW Kiel: Quenstedt (1.-60), Andersson (bei einem 7-Meter) – Duvnjak (2), Sagosen (3), Reinkind (4), M. Landin (1), Sunnefeldt, Weinhold, Wiencek, Ekberg (12/9), Dahmke, Zarabec, Calvert, Voigt (n.e.), Horak (n.e.), Pekeler (1)
HSG Wetzlar: T. Klimpke (31.-60), Ivanisevic (1.-30.) – Feld (1), Srsen, Henningsson (1), Björnsen (2), O. Klimpke (n.e.), Weissgerber, Holst (3/3), Fredriksen, Schefvert (1), Gempp (2), Mellegard (4), Rubin (5)
Schiedsrichter: Blümel/Loppaschewski (Berlin)
Siebenmeter: 10:4
Zeitstrafen: 3:2